Königswinterer Str. 37 a - D-53227 Bonn
Tel. +49-228-976396-0 - Fax +49-976396-12
MELATONIN
Melatonin (N-Acetyl-5-methoxy-tryptamin) ist ein von der Zirbeldrüse von Säugetieren sekretiertes Hormon, das aber auch in anderen Geweben produziert wird. Im Organismus wird es aus Serotonin durch (unter anderem) das Enzym N-Acetyltransferase synthetisiert, das nur im Dunkeln aktiviert ist. Man nimmt an, daß es den Tag-Nacht-Cyclus photoperiodischer Säugetiere regelt (BINKLEY, 1979). Wahrscheinlich durch den Einfluß der Tageslänge, jedoch möglicherweise auch durch Aufnahme von spezifischen, saisonal verfügbaren Pflanzen beeinflußt Melatonin auch die saisonalen Aktivitäten von Tieren: Es wird bei Schafen zur Einleitung der Brunftperiode verwandt (BRAUKMANN, 1995).
Melatonin ist ein wirksamer Radikalfänger (PIERREFICHE, 1995) und hat darüber hinaus oncostatische Eigenschaften (HILL, 1988). Nach einer Hypothese beruht der cancerogene Effekt elektromagnetischer Felder auf der Tatsache, daß "Elektrosmog" den natürlichen Melatonin-Nachschub vermindert (LOESCHER, 1996)
Die Beobachtung, daß bestimmte Pflanzen durch Ozon weniger geschädigt werden als andere hat zur Suche von Melatonin auch in pflanzlichem Gewebe geführt. Kürzlich wurde seine Anwesenheit in geringer Konzentration in z.B. Tomaten, Karotten und vor allem Nüssen nachgewiesen (HATTORI, 1995; DUBBELS, 1995).
Eingenommenes Melatonin wird schnell resorbiert und in praktisch jeden Teil des Organismus transportiert, einschließlich der Haut und Muskeln (REPPERT, 1978)
Melatonin ist ungiftig. Eine LD50 konnte nicht bestimmt werden (BARCHAS, 1967). Während eines Monats täglich eingenommene Dosen von bis zu 6000 mg je Nacht und Person hatten lediglich Schläfrigkeit während einiger Stunden am nächsten Morgen zur Folge. Es wurde von gelgentlicher Magenverstimmung berichtet, ernsthafte Nebenwirkungen traten jedoch nicht auf (WALDHAUSER, 1984)
Zur Zeit wird Melatonin zur Bekämfung des jet lag benutzt (d.h. zur Anpassung des circadianen Rythmus beim Reisen durch verschiedene Zeitzonen. Beim Reisen von West nach Ost muß die innere Uhr vorgestellt werden. Dazu sollte Melatonin bereits am Tag der Abreise eingenommen werden und zwar einige Stunden vor der erwünschten Schlafenszeit. Bei einer Zeitdifferenz von drei Stunden sollte die erste Dosis Melatonin (1 - 3 mg) am Tag vor der Abreise und am Reisetag um 14 Uhr Heimatazeit (= 17 Uhr Zielzeit) genommen werden. Bei Reisen in Richtung Westen sollte Melatonin bei dem (dann in der Regel zu zeitigen Aufwachen) eingenommen werden (BRODY/LEWY, 1995)
Literatur
BARCHAS, J. et al., 1967:
Acute pharmacology of melatonin. Nature 214; 929-930
BINKLEY, 1979: Spektrum Wiss.
1979, No. 6, p. 82-87 BRAUKMANN, 1995: Chemische Rundschau, 25 Aug. 1995, p. 8
BRODY, J.E., 1995: New York Times, August 1995
DUBBELS, R. et al., 1995:
Melatonin in edible plants identified by radioimmuno assay and by gas
chromatography. J. Pineal Res. 1995: 18, 28-31
HATTORI, A. et al., 1995:
Identification of Melatonin in plants and its effects on plasma Melatonin
levels and binding to Melatonin receptors in vertebrates. Biochem and Molec.
Biol. Intern. vol 35, No. 3, March 1995, 627-634
HILL, S.M. et al, 1988:
Effects of the pineal hormone melatonin on proliferation and morphological
characteristics of human breast cancer cells (MCF-7) in culture. Cancer Res.
48:6121-6126
LOESCHER, W. et al.: 1996:
Cancer Letters, vol 96, p. 175 (See also: Life Sciences, vol. 21, p 1531).
PIERREFICHE G. et al.,
1995: Oxygen free radicals, melatonin and aging. Experimental Gerontology
30(3/4); 213-227, 1995
REPPERT, S.M., 1978:
Transport of maternal [3H]melatonin to suckling rats and the fat of
[60360H]melatonin in the neonatal rat. Endocrinology 102:582-588
WALDHAUSER, F., et al.,
1984: Melatonin in human body fluids: clinical significance. In Reiter, r. (ed)
The Pineal Gland. Raven Press,
Anregungen, Fragen, Mitteilungen? Klicken Sie hier, um uns eine email zu schicken.