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Eine Literaturübersicht
Spirulina spp. sind Cyanophyceen (blau-grüne Algen), die in vielen feuchten Biotopen angetroffen werden. Massive Mengen Spirulina wachsen im alkalischen Wasser bestimmter tropischer Seen (z.B. Tschadsee, ostafrikanische Seen der Grabenbruchzone, früherer Texcoco-See in Mexiko). Ein- bis zweitausend Tonnen werden jährlich in künstlichen Teich-Anlagen in Gegenden mit hoher Durchschnittstemperatur und hoher Sonneneinstrahlung geerntet (China, Thailand, Indien, Kalifornien). Die angebaute Art ist Spirulina platensis. Spirulina ist multizellular, sie besteht aus wendelförmigen (nicht spiraligen) Filamenten, die bis zu 300 Mikrometer lang werden können. Die Organismen werden durch Sieben geerntet und gewöhnlich zu einem dunkelgrünen Pulver sprühgetrocknet. Spirulina hat eine alte - wenn auch exotische - Tradition als Nahrungsmittel. Die Azteken ernteten Spirulina aus dem Brackwassersee, der ihre Hauptstadt Tenochtitlan umgab (DIAZ DE CASTILLO). Die reichliche Verfügbarkeit dieses Nahrungsmittels könnte die Voraussetzung für die hohe Bevölkerungsdichte der mexikanischen Hochtalregion und damit die Grundlage der politischen Macht der Azteken gewesen sein (FARRAR, W.V., 1966). Im Gebiet des Tschadsees dient Spirulina gleichfalls als Nahrungsmittel, es wird dort in Ufervertiefungen gesammelt, getrocknet und als Zusatz zu verschiedenen Gerichten verzehrt (DANGEARD, 1940). Seit 1980 ist Spirulina zu einem sehr erfolgreichen Nahrungsergänzungs- mittel geworden, was mehrere Ursachen haben dürfte. Ein appetitzügelnder Effekt, der Spirulina in der Verkaufsliteratur nachgesagt wird, konnte zumindest teilweise durch eine klinische Studie bestätigt werden (BECKER, 1986). Auch wurde nachgewiesen, daß Spirulina bei Einnahme einen cholesterinsenkenden Effekt hat (NAKAYA, 1988). Von DE RIVERA (1993) wurde dies bestätigt; er fand außerdem eine Schutzwirkung von Spirulina bei einer diätetisch induzierten Fettleber. Dies wurde von IWATA (1990) bestätigt. Eisen aus Spirulina ist gut bioverfügbar (JOHNSON, 1986). PULZ (1993) berichtete von einem immunostimulierenden Effekt Spirulinas, den er auf intrazelluläre Polysaccharid-Fraktionen zurückführte. HAYASHI (1993) beobachtete an wäßrigen Spirulina-Extrakten eine antivirale Aktivität (gegen Herpex simplex Virus Typ 1). Der gleiche Autor (1994) findet in Mäusen eine verstärkte Antikörperproduktion nach Gaben von Spirulina platensis. MATHEW (1995) erreichte durch Gaben von Spirulina fusiformis eine Reversion von Leukoplakie (ein präcanseroses Symptom) bei Tabakkauern.
Literatur
DIAZ DE CASTILLO, BERNAL: Historia verdadera de la conquista de la nueva
Espagna, verfaßt vor 1580, veröffentlicht im 17. Jahrhundert. Moderne Edition: Coleccion
Austral, 7th. ed. p. 191 and 377
FARRAR, W.V. 1966:
Tecuitlatl: A glimpse of Aztec food technology Nature, July 23, 1966, p. 341
DANGEARD, P., 1940: Sur une
algue bleue alimentaire pour l'homme: Arthrospira platensis (Nordst.) Gomont.
Actes Soc. Linn. Boreaux Extr. Procés-verbaux. 91:39-41
BECKER, E.W. et al., 1986:
Clinical and biochemical evaluations of the alga Spirulina with regard to its
application in the treatment of obesity. Nutr. Reports International, April
1986 vol. 33 No. 4, p. 565-574 HAYASHI, K. et al., 1993: An Extract from
Spirulina platensis is a Selective Inhibitor of Herpes Simplex Virus Type 1
Penetration into HeLa Cells. Cells. Phytotherapy Research, vol. 7, 76-80(1993)
HAYASHI, K. et al., 1994:
Enhancement of antibody production in mice by dietary Spirulina platensis. J.
Nutr. Sci. Vitaminol.
IWATA, K. et al., 1990: Effects
of Spirulina platensis on plasma lipoprotein lipase activity in
fructose-induced hyperlipidemic rats. J. Nutr. Sci. Vitaminology
JOHNSON, PH. E. et al.,
1986: Availability of Iron to Rats from Spirulina Nutrition Research, vol. 6,
pp. 85-94
NAKAYA, N., 1988:
Cholesterol lowering effect of Spirulina. Nutrition Reports Interantional, June
1988 vol. 37, no. 6, p. 1329-1337
MATHEW, B. et al., 1995:
Evaluation of oral cancer with Spirulina fusiformis.Nutr. Cancer, 24(2),
197-202
DE RIVERA, C.G., 1993:
Preventive Effect of Spirulina maxima on the fatty liver induced by a
fructose-rich diet in the rat. Life Sciences Journal, vol. 53(1) 57-61, 1993
PULZ, O. et al., 1993: Microalgae as a source of pharmacologically valuable polysaccharides. 6th European Congress on Biotechnology, Firenze, Italy, June 13-17, 1993
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