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Rohstoffe für Diätetik und Pharmazie



 

Zur Viskosität von Glucomannan-Lösungen

Lösungen von Glucomannan in Wasser sollten eine hohe Viskosität besitzen, und die Viskosität wird oft als qualitätsbestimmender Faktor für das verwendete Rohprodukt angesehen. Bei der Interpretation entsprechender Untersuchungsergebnisse ergeben sich jedoch oft Mißverständnisse.

Die Viskosität einer Flüssigkeit ist definiert als der spezifische Widerstand, der einem in der Flüssigkeit bewegten Gegenstand entgegengesetzt wird, oder, in anderen Worten, als die zur Bewegung des Gegenstands benötigte Kraft. Spezifisch bedeutet in diesem Zusammenhang, daß der Widerstand auch von der Größe der Oberfläche des Gegenstands abhängt. Für die Kraft, welche zur "parallelen" Verschiebung einer glatten Fläche nötig ist, gilt folgende Gleichung:
 
 

               dv
F = eta x A x ----; (Gleichung 1)
               dl 

F:    Kraft
A:    Fläche
v:    Geschwindigkeit der Bewegung
l:    Entfernung zwischen bewegter Oberfläche und ruhender Flüssigkeit
eta:  Konstante
 

 dv                                                     m/s
---- ist die Schergeschwindigket. Ihre Dimension ist  ------, also 1/s.
 dl                                                      m

Gleichung (1) besagt: Die zur Bewegung einer Fläche A benötigte Kraft ist proportional zur Oberfläche, zur Schergeschwindigkeit und zur Konstante eta. Eta ist allerdings nur in den Fällen konstant und für eine Flüssigkeit spezifisch, in denen die Flüssigkeit tatsächlich Newton'sches Verhalten zeigt. Die Einheit von eta ist:
 
 

   kg*m/s2    kg                                    N * s    kg * m/s2 *s
   ------- = -----   oder Pa*s       (1 Pascal = 1  -----  = ------------ )
   m2*1/s    m * s                                   m2           m2

Die Einheit Pa*s entspricht 1000 mPa*s oder to 1000 cPs (centipoise). Die Einheit centipoise ist obselet und sollte durch mPa*s ersetzt werden.

Lösungen von Glucomannan gehorchen den oben genannten Gesetzen nicht. Sie zeigen ein als strukturviskos Verhalten, bei dem eta von der Schergeschwindigkeit abhängt. Mit abnehmender Schergeschwindigkeit, d.h. abnehmender "Belastung" der Glucomannan/Wasser Struktur, steigt ihre Viskosität stark an. Oft werden die Viskositäten von Glucomannan-Lösungen angegeben, ohne daß die verwendete Schergeschwindigkeit genannt wird. Die Interpretation solcher unvollständiger Daten ist nicht möglich. Zur Demonstration des Problems soll folgendes Beispiel dienen:
 

Eine 1%ige Lösung eines Glucomannans von guter Qualität (behauptete Viskosität: 112 000 mPa*s) wurde bei 25°C als Funktion der Schergeschwindigkeit gemessen. Verwendet wurde ein Haake VT500 Viskosimeter, entsprechend DIN 350019. Die Ergebnisse sind in der folgenden Tabelle aufgeführt:

Viskosität einer 1%igen Lösung eines Glucomannans hoher Qualität bei 25°C

     Viskosität          bei
     gemessen            Schergeschwindigkeit
   (mPa*s or "cPs")     (1/s)

       33 800            2.58
       28 900            3.225
       20 300            5.16
       17 100            6.45
        9 660           12.90
        5 280           25.80
        2 340           64.50
        1 990           77.40
        1 260          129.00
          680          258.10
 

Offensichtlich ist die Abhängigkeit der Viskosität von der gewählten Schergeschwindigkeit in diesem Fall sehr stark. Allerdings liegt der bei der langsamsten Schergeschwindigkeit gemessene Wert von 33.800 immer noch weit unter der behaupteten Viskosität (112.000 mPas). Die Schergeschwindigkeit 2,58 entspricht der Drehung eines zylindrischen Körpers mit dem Durchmesser 20 mm mit der Geschwindigkeit 2 Umdrehungen pro Minute, was offensichtlich eine sehr niedrige Drehgeschwindigkeit ist. Durch Extrapolation auf noch niedrigere Drehgeschwindigkeit kann vielleicht ein Wert von 112 000 mPas erreicht werden. Eine Messung bei solch niedrigen Geschwindigkeiten ist jedoch nicht mehr möglich, da dann das Meßsignal im Grundrauschen des Instruments aufgeht.
Durch halblogarithmisches Auftragen der gemessenen Viskositäten gegen die Schergeschwindigkeiten erhält man eine Kurve, welche sich der Schergeschwindigkeit 0 asymptotisch annähert. Der Achsenschnittpunkt kann bei Werten von 70.000 bis 150.000 angenommen werden. Höchstwahrscheinlich haben die Hersteller des Produkts eine einfache Apparatur zur Messung verwendet, welche zwar erfreulich hohe, jedoch nicht reproduzierbare Ergebnisse liefert. Die angegebene Zahl -112.000- suggeriert eine hohe Meßgenauigkeit, die jedoch praktisch nicht erreicht werden kann, insbesondere nicht mit einfachen Instrumenten.
 
 
 



 
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